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Mischungsverhältnis bei 2K-Kleb- und Dichtstoffen

Das Mischungsverhältnis ist bei 2K-Kleb- und Dichtstoffen einer der kritischsten Parameter im gesamten Dosierprozess. In der Theorie ist es klar definiert, im Datenblatt sauber beschrieben und in der Steuerung korrekt hinterlegt. In der Praxis weichen Theorie und Realität jedoch häufig voneinander ab.

Dieser Beitrag erläutert, warum ein korrekt eingestelltes Mischungsverhältnis allein nicht ausreicht und weshalb stabile 2K-Prozesse nur mit realer Prozessbetrachtung zuverlässig funktionieren.


Typische Mischungsverhältnisse in der Praxis

Bei 2K-Kleb- und Dichtstoffen liegen die Mischungsverhältnisse in der Praxis typischerweise in einem Bereich von 1:1 bis 100:2. Abhängig vom Material und der Anwendung sind auch alle Zwischenverhältnisse möglich.

Die Dosieranlage muss dieses Mischungsverhältnis nicht nur abbilden können, sondern es auch über den gesamten Prozess stabil einhalten.


Wie Mischungsverhältnisse eingestellt werden

Je nach Maschinentyp erfolgt die Einstellung des Mischungsverhältnisses auf unterschiedliche Weise:

– über das Touchpanel und die Steuerung, z. B. bei der mastermix gear drive
– über mechanische Einstellungen, z. B. bei der mastermix XS

In beiden Fällen wird zunächst ein Soll-Zustand definiert. Ob dieser Soll-Zustand im laufenden Prozess tatsächlich eingehalten wird, hängt jedoch von den realen Förderbedingungen ab.


Was in der Praxis passiert

Im realen Produktionsumfeld wirken zahlreiche Einflüsse auf den Dosierprozess ein:

– Temperaturänderungen im Material
– Viskositätsschwankungen während des Betriebs
– unterschiedliche Materialchargen
– Stillstände und Start-Stopp-Zyklen
– wechselnde Applikationsgeschwindigkeiten

All diese Faktoren beeinflussen das tatsächlich geförderte Volumen jeder Komponente – und damit das reale Mischungsverhältnis.


Typische Fehlannahmen in der 2K-Dosierung

In der Praxis begegnen uns immer wieder ähnliche Annahmen:

– „Die Anlage ist einmal korrekt eingestellt.“
– „Das Mischungsverhältnis bleibt konstant.“
– „Das Material verhält sich immer gleich.“

Ohne kontinuierliche Überwachung bleibt jedoch unbemerkt, wenn sich das Mischungsverhältnis im laufenden Betrieb verändert.


Konsequenzen im Bauteil

Abweichungen im Mischungsverhältnis wirken sich direkt auf die Eigenschaften des applizierten Materials aus. Typische Folgen sind:

– reduzierte mechanische Festigkeit der Klebverbindung
– unvollständige oder fehlerhafte Vernetzung
– verminderte Dauerhaftigkeit
– nicht erreichte oder nachlassende Dichtfunktion

Diese Effekte zeigen sich häufig erst im späteren Einsatz oder unter Belastung. Die Ursache lässt sich dann oft nur schwer eindeutig auf den Dosierprozess zurückführen.


Warum Theorie allein nicht ausreicht

Ein theoretisch korrekt eingestelltes Mischungsverhältnis beschreibt lediglich den Soll-Zustand. Ohne Messung oder regelmäßige Überprüfung des real dosierten Volumens bleibt unklar, ob dieser Soll-Zustand tatsächlich erreicht wird.

Stabile 2K-Prozesse erfordern daher mehr als korrekt eingestellte Parameter.


Was in der Praxis wirklich hilft

Aus unserer Erfahrung lässt sich die Prozesssicherheit bei 2K-Anwendungen auf zwei Wegen erhöhen:

– durch kontinuierliche Überwachung, z. B. mit Volumenmesszellen oder Wegmesssystemen
– oder, wenn diese nicht vorhanden sind, durch regelmäßige manuelle Überprüfung

Ohne permanente Überwachung empfehlen wir eine regelmäßige Kontrolle des Mischungsverhältnisses über die manuelle Auslitereinheit.

Zusätzlich tragen weitere Qualitätsprüfungen zur Prozessabsicherung bei, beispielsweise:

– Topfzeit-Tests
– Butterfly-Tests

Diese Prüfungen helfen, Veränderungen im Materialverhalten frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Abbildung: Manuelle Mischungsverhältniskontrolle über die Auslitereinheit
Die Abbildung zeigt eine manuelle Überprüfung des Mischungsverhältnisses bei 2K-Kleb- und Dichtstoffen über eine Auslitereinheit. Die beiden Komponenten werden separat auslitriert, um die real dosierten Volumina zu vergleichen. Diese Vorgehensweise wird insbesondere dann empfohlen, wenn keine kontinuierliche Überwachung über Volumenmesszellen oder Wegmesssysteme erfolgt.

Manuelle Kontrolle des Mischungsverhältnisses über die Auslitereinheit


Zusammenfassung

Das Mischungsverhältnis bei 2K-Kleb- und Dichtstoffen ist in der Theorie eindeutig definiert, in der Praxis jedoch zahlreichen Einflüssen ausgesetzt. Ohne Überwachung oder regelmäßige Kontrolle besteht das Risiko, dass sich das reale Mischungsverhältnis unbemerkt verändert.

Wer dauerhaft stabile und reproduzierbare 2K-Prozesse sicherstellen möchte, sollte Theorie, Technik und regelmäßige Qualitätskontrollen konsequent miteinander verbinden.

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